Wie vor Gericht

Gestern hatte ich eine Unterhaltung mit einem Mann, der regelmäßig Faszienrollen und Bälle benutzt, um damit Stellen verhärteter Muskulatur zu bearbeiten. Gespräche dieser Art sind jedes Mal eine Herausforderung für mich. Denn- und ich höre schon den Aufschrei der vielen Faszien Fans- ich persönlich (!) halte wenig von dieser Herangehensweise. Und damit meine ich die Intention des Weg-Haben-Wollens und die damit verbundene wenig liebevolle Behandlung des Körpers. Das Ausrufezeichen ist wichtig, denn natürlich ist das einzig und allein meine Meinung und ich stelle keinerlei Anspruch darauf, Recht zu haben. Ich halte mich eher für eine Anwältin des Körpers und möchte ihn als solche gegen unrechtmäßige Vorwürfe verteidigen. 

 

Was ich mich und dich fragen möchte, ist: Warum, glaubst du, erlebst du in deinem Körper Schmerz, Anspannung, Unruhe? Ist es die die Unfähigkeit, die Schwäche, die Blödheit deines Körpers, sich den Vorstellungen deines Verstandes anzupassen? Oder darfst du deinem Körper die als unangenehm empfundenen Gefühle zugestehen? Was glaubst du?

 

Ich plädiere dafür, den Körper freizusprechen. Denn ich weiß, dass ein jeder Körper eine Fülle an Intelligenz und Kraft hat und dass er in jedem Moment alles daran setzt, in ein möglichst gesundes Gleichgewicht zu gelangen. Er arbeitet FÜR dich. Die innere Intelligenz eines Körpers weiß am besten, was gebraucht wird- besser als der bewusste Verstand. 

 

Natürlich können wir Einfluss nehmen. Wir können unseren Körper mit Wasser und Nährstoffen versorgen und ihn vor Giften schützen. Wir können ihn bewegen, so dass er stark und flexibel bleibt und sich Festgesetztes lösen kann. Wir können ihm Ruhephasen erlauben. Und wir können bewusst entscheiden, mit welchem Gedankengut wir ihn füttern. Denn am Anfang all der unbewussten wie bewussten Entscheidungen steht ein Gedanke- und diesem Gedanken dienen die Zellen des Körpers.

 

Mit diesem Wissen als Grundlage frage ich also: Ist es eine gute Idee, genervt vom schmerzenden Körper, auf ihn einzudrücken, bis er (zumindest für einen Moment) nachgibt? Oder ist es nicht klüger, dem Körper den Schmerz für den Moment zuzugestehen und zu schauen, an welchen Umweltfaktoren (Essen, Trinken, Bewegung, Schlaf und Ruhe, Medien und Menschen, Gedanken) zu drehen ist, um die Weichen für Heilung und langfristige Gesundheit zu stellen?

 

Meine Antwort kannst du dir denken. Was ist deine?

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